Kulturell verbindendes Schriftprojekt

Gymnasium Sacré Coeur Wien und islamisches Realgymnasium präsentieren gemeinsames Kunstprojekt im Dommuseum

Die ORF- TV Sendung Religionen der Welt brachte dazu am 18.11.2017 einen Beitrag.

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Ziel der beiden Gymnasien war es, ein gemeinsames Werk zu schaffen, das durch die Auseinandersetzung mit Interreligiosität und Transkulturalität entstanden ist und diese gleichzeitig auch versinnbildlicht.Das Ergebnis ist eine gemeinsame künstlerische Installation zur Eröffnungsausstellung „Bilder der Sprache und Sprache der Bilder“ des Dom Museums. Die Präsentation „Analoges Schrift-Morphing“ und „Raum-im-Raum-Architektur. Vom sakralen Schrein zum Museumsdesign“ fand am 8.11.2017 im Dommuseum am Stephansplatz statt.

Noch vor der Eröffnung des Dom Museum Wien trafen im Frühjahr SchülerInnen der fünften Klassen des Gymnasium Sacre Coeur und des Islamischen Realgymnasiums auf der Museumsbaustelle und im Stephansdom zusammen, um kostbare Objekte des Domschatzes einerseits und die Architektur andererseits zu erforschen. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Dom Museum Wien, dem Islamischen Realgymnasium Wien und dem Gymnasium Sacré Coeur Wien. Dabei wurde jeweils eine Schulklasse aus den zwei unterschiedlich konfessionell geprägten Gymnasien zusammengebracht. Im Rahmen der Unterrichtsfächer Bildnerische Erziehung, Textiles und Technisches Werken gestalteten sie in der Folge Schriftbilder und dreidimensionale Werkstücke. Die SchülerInnen setzten sich mit ihren KunstpädagogInnen über mehrere Monate inhaltlich und künstlerisch mit Interreligiösität und Transkulturalität auseinander.

Kulturell verbindendes Projekt

Die Sammlung des Dommuseums beherbergt drei mittelalterliche Objekte (zwei Glasgefäße und einen Gold-Seide-Stoff), die der sogenannten Islamischen Kunst zugesprochen werden. Die Artefakte wurden im 12.-14. Jahrhundert in Iran und Syrien/Ägypten hergestellt. Die Glasgefäße wurden vom habsburgischen Herzog Rudolph IV. erworben und in christlichem Kontext als Reliquiare benutzt. Der Stoff mit auffallender arabischer Inschrift diente Rudolph IV. als Grabtuch. Die wertschätzende Verwendung der Objekte in Kulturen mit jeweils unterschiedlichen religiösen Prägungen wird als Ausgangspunkt für das Projekt verwendet.
In einem gemeinsamen Workshop trafen die SchülerInnen erstmals aufeinander. Ihre Aufgabe war es, in Gruppenarbeiten die Objekte anhand kunsthistorischer Methoden zu untersuchen und ihre ersten Ergebnisse zu teilen. Die Kunstvermittlerin des Museums erklärte nach der Präsentation den SchülerInnen die Mehrfachverwendung der Objekte. Abschließend zeichneten oder schrieben die SchülerInnen auf einen Karton, was ihnen im Kopf geblieben ist und welche Bedeutung sie ihrem Eindruck zuschreiben.

Künstlerische Verschmelzung von Schriftelementen

Nach dem inhaltlichen Workshop auf der Westempore und der Führung durchs Museum setzten sich die SchülerInnen genauer mit dem Thema Schrift auseinander. Die Schriftelemente auf den Artefakten des Museums dienten als Inspiration. Das Element des kulturell-verbindenden war ein zentraler Aspekt.
In der künstlerischen Arbeit wurden die Begriffe der religiösen Auseinandersetzung und des Themas der Eröffnungsausstellung des Dommuseums kalligraphisch visualisiert. Es wurden idente Wortpaare in lateinischer (Gymnasium Sacre Coeur) und arabischer Schrift (islamisches Gymnasium) hergestellt. Diese gewählten Schriftpaare bildeten die eigentliche Arbeit.

Zeitgemäße Methoden

Im Sinne eines analogen Morphings entstanden kurze Videos, die später in einer Gif-Animation diese Verschmelzung zeigen. Ähnlich eines traditionellen Daumenkinos verändert sich das Schriftsystem zum anderen und umgekehrt. Diese Arbeit wurde in Gruppen durchgeführt und mittels Mobiltelefonen und Apps hergestellt. Die Schrift selbst wird durch Tusche, Beize, Faserstift auf normales A5 Kopierpapier gezeichnet und später mit dem Handy fotografiert. Zusätzlich bestand die Möglichkeit eine Schriftgrafik herzustellen.

Erste Themenausstellung des Dom Museum Wien

Die erste Themenausstellung des Dom Museum Wien, „Bilder der Sprache und Sprache der Bilder“, zeigt das weite Feld von Bild-Schrift-Kunst vom Mittelalter bis heute. Die Ausstellung zoomt jene Epochen besonders hervor, in denen Bild und Schrift eine große Nähe zueinander aufweisen wie in Mittelalter, Moderne und Gegenwartskunst. In Gegenüberstellungen wird das die Kulturentwicklungen bestimmende Ringen zwischen bildlichen und sprachlichen Zeichen anschaulich vor Augen geführt. Die gezeigten Werke machen deutlich, dass Kombinationen aus Bild und Text sich besonders eignen, um von den sichtbaren Dingen zu den unsichtbaren Welten zu gelangen. Glaubensinhalte, Fragen nach Leben, Tod, Diesseits und Jenseits, nehmen daher eine zentrale Rolle in der Präsentation ein.

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