Gute Berufszufriedenheit bei ReligionslehrerInnen

Studie belegt hohe Zufriedenheit

Sie vermitteln Glaubenswissen, fördern Dialog sowie Respekt und begleiten oft auch in existenziellen Fragen. Die Rede ist von den ReligionslehrerInnen der Erzdiözese Wien. Eine Studie im Auftrag der Diözesanleitung und des Erzbischöflichen Amtes für Schule und Bildung hat nun unter anderem ihre Berufs- und Lebenszufriedenheit untersucht. Ein Ergebnis: Die Religionslehrerinnen und -lehrer in Wien weisen eine hohe Lebenszufriedenheit und eine gute Berufszufriedenheit auf.

Die Studie wurde unter Federführung von Christoph Jacobs, Professor für Pastoralpsychologie und – soziologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, durchgeführt. Weitere Studienautoren sind Arndt Büssing, Lehrstuhlinhaber für Medizintheorie, Integrative und anthroposophische Medizin, und der Psychologe Andreas Günther, beide von der Universität Witten/Herdecke. Ergänzt wird die Studie durch einen vom Schulamt gestalteten Frageteil, der den Fokus speziell auf den Religionsunterricht legt.

Es ist die erste breit angelegte Studie zu Berufszufriedenheit und Gesundheit von ReligionslehrerInnen im deutschen Sprachraum. Im Rahmen einer Präsentation stellten die Studienautoren Christoph Jacobs und Andreas Günther in Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn die wichtigsten Ergebnisse zur Diskussion. Der Einladung zu der Veranstaltung in der KPH Wien/Krems (Campus Strebersdorf) waren rund 100 LehrerInnen sowie MitarbeiterInnen von Schulamt, KPH und Erzdiözese gefolgt.

Hohe Lebenszufriedenheit, gute Berufszufriedenheit

Ein Hauptergebnis der Studie ist besonders positiv: ReligionslehrerInnen haben insgesamt – im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung, aber auch im Vergleich zur Berufsgruppe der LehrerInnen – eine hohe Lebenszufriedenheit. Sie weisen außerdem eine gute Berufszufriedenheit auf. Letztere steigt mit zunehmendem Dienstalter. Denn wie die Studie ergeben hat, stellen vor allem die ersten Berufsjahre für die ReligionslehrerInnen eine große Herausforderung dar. Nach den ersten Dienstjahren jedoch bringt der Beruf eine gute Zufriedenheit mit sich. Studienautor Andreas Günther verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die „unglaublich hohen Werte bei der sozialen Vernetzung“, die die Studie gezeigt habe. Diese wirke sich enorm auf die Lebenszufriedenheit aus, so Günther im Rahmen der Präsentation.

Gesundheitliche Aspekte des Berufs

Der Gesundheitsstatus der ReligionslehrerInnen ist laut Studie grundsätzlich gut, doch je nach Schulart sind Unterschiede hinsichtlich der Belastungssituation festzustellen. Die höchste Belastung weisen demnach ReligionslehrerInnen an Neuen Mittelschulen und Volksschulen auf. Doch die Studie zeigt auch Gegenmaßnahmen auf: Körperliche Aktivität und spirituelle Praxis können demnach signifikant positiv auf die Lebens- und Berufszufriedenheit wirken.

Spiritualität als wichtige Ressource und Motivationsquelle

Einige Ergebnisse im Detail: ReligionslehrerInnen, die sich 150-300 Minuten wöchentlich aktiv bewegen, sind weniger gestresst, verausgaben sich weniger, distanzieren sich besser von der Arbeit, resignieren nicht so schnell bei Misserfolg und empfinden insgesamt weniger Arbeitsbelastung. Und ReligionslehrerInnen mit hohen Werten in spiritueller Erfahrung sind psychosomatisch weniger belastet, erleben ihre Arbeit als bedeutsamer sowie vielfältiger, gehen Probleme offensiver an, sind innerlich ausgeglichener, erfahren mehr Wertschätzung und nehmen ihre Organisation positiver wahr. Studienautor Christoph Jacobs wies im Rahmen der Präsentation vor allem auch auf die Wichtigkeit der Gesundheitsvorsorge hin. Dies sei etwas, das man angesichts eines sozial sehr anstrengenden Berufs eigenverantwortlich permanent in seinen Alltag einbauen müsse, so Jacobs.

Zweitfach und Wertschätzung wirken positiv

Einen gewissen Einfluss hat ein Zweitfach: Immerhin 36 Prozent der ReligionslehrerInnen unterrichten auch ein Zweitfach, 61 Prozent ausschließlich Religion. Kombinierer sind im Vergleich etwas resilienter und lebenszufriedener. Sie erleben sich zudem als etwas erfolgreicher im Beruf. Auf der anderen Seite haben die LehrerInnen mit Zweitfach eine höhere Arbeitsbelastung.

Ein Stressfaktor ist erlebtes Desinteresse von Seiten der SchülerInnen, wohingegen erlebte Wertschätzung seitens der KollegInnen, der Schulleitung, der Eltern und des Schulamtes bzw. der Kirche insgesamt wesentlich für das berufliche Engagement ist. Inhaltlich schätzen die ReligionslehrerInnen selbst den Religionsunterricht hauptsächlich als Möglichkeit der Vermittlung christlicher Werte, der Wissensvermittlung über Religion, der Förderung von Dialog und Respekt und der Begleitung in existenziellen Fragen ein.

„Die ReligionslehrerInnen sind ein wichtiger Teil des kirchlichen Wirkens, denn sie sind ganz nah am Leben der Kinder und Jugendlichen – und sie erreichen junge Menschen, die nicht in die Pfarren kommen. Mit der Studie wollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die ReligionslehrerInnen und ihre Arbeitssituation richten“, beschreibt Schulamtsleiterin Andrea Pinz den Hintergrund der Studie. „Signifikant ist für mich, dass PädagogInnen mit spiritueller Verwurzelung engagierter sowie motivierter sind und sich als erfolgreicher erleben. Hier haben wir als Kirche eine große Verantwortung. Aber auch die ReligionslehrerInnen sollten unsere Unterstützung annehmen“, so Andrea Pinz weiter. „Wir haben hier in der KPH einen wichtigen Partner, mit Angeboten etwa für Supervision und Coaching.“

Kardinal Schönborn: Religionsunterricht als Chance

Im Anschluss an die Präsentation der Studie in der KPH Wien/Krems verwies Kardinal Schönborn auf die große Chance, „die wir in Österreich durch den Religionsunterricht haben.“ Gerade auch im Vergleich mit anderen Ländern wie etwa Frankreich müsse man diese Chance und ihre kulturelle Bedeutung erkennen. Der Kardinal betonte auch den besonderen Stellenwert von Wertschätzung, wie ihn die Studie gezeigt habe. „Werden wir wahrgenommen? Werden wir gesehen und gehört“, das seien sehr wichtige Aspekte.

Weiterentwicklung des Unterrichts und Fortbildungen geplant

Diözesanleitung und Schulamt dankten allen ReligionslehrerInnen, die mit der Teilnahme an der Studie sowie mit mehr als 2.000 Rückmeldungen beim Tag der Religionslehrer eine Grundlage für unterstützende Maßnahmen gelegt haben. Insgesamt 644 PädagogInnen haben sich an der Untersuchung beteiligt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 42,8 Prozent, was über der durchschnittlichen Beteiligung an vergleichbaren LehrerInnenstudien liegt.

Konkret werden die Ergebnisse in strategische Überlegungen zur weiteren Entwicklung des Religionsunterrichts und der Ausbildung von ReligionslehrerInnen einfließen. Ergänzend sollen in Zusammenarbeit mit der Berufsgemeinschaft und der KPH Wien/Krems gezielte Fortbildungsangebote gesetzt werden. Auch Formate des Schulamtes wie etwa das Entwicklungsgespräch oder die Inspektionskonferenzen sowie die Kommunikation mit den Schulleitungen sollen weiter optimiert werden. In den ersten Berufsjahren soll zudem die Begleitung der Junglehrer, unter anderem in Form von Supervision und Coaching, intensiviert werden wird. Dazu kommen gezielt spirituelle Angebote sowie Möglichkeiten der Gesundheitsförderung.

HINTERGRUND ReligionslehrerInnen in der Erzdiözese Wien – die Rahmenbedingungen
1.515 Religionslehrerinnen und Religionslehrer unterrichten im Schuljahr 2018/19 in der Erzdiözese Wien rund 128.000 Schülerinnen und Schüler an 1.179 Schulstandorten. Wöchentlich finden rund 20.000 Religionsstunden statt. Die Unterrichtsbedingungen, unter denen ReligionslehrerInnen arbeiten, stellen sich in den Studienergebnissen wie folgt dar: Zu 82 Prozent erfolgt der Unterricht klassenweise ohne Gruppenzusammenlegung; zwei Drittel der ReligionslehrerInnen unterrichten an nur einem Schulstandort; der Unterricht findet zu rund 48 Prozent in Randstunden statt, wobei sich 30 Prozent der ReligionslehrerInnen dadurch belastet fühlen. Betreffend die Rahmenbedingungen hat sich insgesamt jedoch gezeigt, dass die meisten davon keinen signifikanten Einfluss auf Stressbelastung, Burnout-Gefährdung oder Gesundheit haben. Zum Beispiel betrifft das die Unterrichtstätigkeit in einer öffentlichen oder privaten Schule, das Ausmaß der Arbeitszeit (solange 50 Stunden pro Woche nicht überschritten werden), die Klassengröße oder die Frage, ob die Wohnpfarre zugleich die Schulpfarre ist.