Bildung ist DNA der Kirche

Tagung von DirektorInnen und Schulerhaltern katholischer Gymnasien und Bildungsanstalten für Elementarpädagogik in Salzburg.

 

Das Thema „Identität der Katholischen Schulen“ sorgte für reges Interesse. Fast 80 TeilnehmerInnen aus allen Diözesen ließen sich von Dr. Matthias Burchardt von der Universität Köln, Dr. Georg Beirer (Theologe und Psychotherapeut) aus Bamberg sowie Dr. Harald Pichler vom Viktor Frankl Zentrum in Wien für Ihre beruflichen Herausforderungen stärken und in ihrer Haltung bestärken.

Die Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung, Andrea Pinz, benannte die Herausforderungen, die die Identität Katholischer Schulen mit sich bringt und ermutigte die Führungskräfte: „Bildung ist die DNA der Kirche“ und an das Plenum gerichtet „Sie sind die Zellen!“.
Weiters zeigte Andrea Pinz in ihren Ausführungen „Identitätslinien“ für katholische Privatschulen auf: „Schule ist Dienst an der Menschwerdung des Menschen“, so Pinz. Sie sah in der Bildung eines der großen Wachstumsfelder der Kirche. Das verlange freilich eine Neupositionierung der Kirche angesichts knapper werdender finanzieller und personeller Ressourcen.

Ein Gesicht von Kirche

Pinz: „Wird eine Kirche renoviert, wo am Wochenende 200 Personen hinkommen oder sind die Ressourcen in Richtung Schulzentren zu lenken, wo täglich oft mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche ein und ausgehen?“ Katholische Schulen seien „ein“ Gesicht von Kirche. „Dort ist menschliches Wachstum auf Gott hin möglich“, so Pinz. Das sei freilich auch eine dringliche Anfrage an die Verantwortlichen in der Kirche: „Kinder erleben in den Schulen Kirche; die Kirche muss sich – gerade auch die Priester – dorthin aufmachen.“

Orden und Diözesen seien laut Pinz „die beiden Lungenflügel, die Bildung anbieten und entwickeln. Das sollten wir in dieser Vielfalt ernst nehmen“. Die Vielfalt der Schulerhalter (Orden und Diözesen) sei positiv zu sehen. „Es gilt diese gleichwertige Andersheit auszugestalten, auch im Gegenüber und Miteinander zu und mit den öffentlichen Schulen.“

Digitalisierung oft Ziel statt Mittel

Vor den Gefahren der Digitalisierung im Bildungsbereich warnte Matthias Burchardt von der Universität Köln. Die Generation der „digital natives“ könne auch als „Gefangene der digitalen Geräte“ angesehen werden. Es zeige sich immer mehr, dass die Demokratisierung in Totalüberwachung übergegangen sei, die Meinungsfreiheit in Algorithmus basierte Meinungsblasen münde und die Vielfalt einem Konformitätsdruck weiche und Monopolisierung verstärkt werde. Fake-News und Manipulation höhlten die Demokratie aus, neue Machteliten bildeten sich heraus und regierten den „Cyberspace“. „Dem Menschen wird die Freiheit genommen und er wird zum systemkonformen Nutzer degradiert“, so Burchardt wörtlich.

Diese Gefahr sei auch in der Schule gegeben und fange schon an, wenn Digitalisierung als Ziel angegeben wird und nicht als Mittel einer ganzheitlichen Bildung. „Der gläserne Schüler ist für Big Data das Ziel“, so Burchardt: „Lernsoftware ist immer mit der Sammlung von möglichst vielen Daten verbunden.“ Optimierung und Steuerung von Verhalten seien dabei das Ziel. Es brauche aber den Primat des pädagogischen Interesses weit vor den Interessen der Konzerne und Machtinteressen, so der Experte. Deshalb brauche es gerade auch in der Schule eine medienpädagogisch kritische Vor- und Nachbereitung der Nutzung von digitalen Medien.

Trotz aller besorgniserregenden Entwicklungen zeigte Burchardt aber Optimismus: „Wenn das Umfeld stimmt, kann die Digitalisierung in der Bildung keinen Schaden anrichten.“

„Prophetische Herausforderungen“

Der Theologe und Therapeut Georg Beirer aus Bamberg sprach zu den Schulverantwortlichen u.a. über die „prophetischen Herausforderungen“ im Bildungswesen. „Propheten schauen ungeschönt die Wirklichkeit an, weil sie die Wirklichkeit mit den Augen Gottes sehen können“, so Beirer wörtlich und weiter: „Ordensschulen und katholische Schulen in anderer Trägerschaft sollten kritisches Denken hervorbringen. Alles Tun soll getragen sein von der Liebe zum Menschen, gerade zum leidenden und geschundenen.“ Beirer ermutigte die Schulverantwortlichen, „auch kreativen Widerstand zu leisten, wo der Mensch nicht in seinem tiefen Wert gesehen und behandelt wird“.

Individualisierung und Augenblicklichkeit prägten die heutigen Menschen und heutige Institutionen, so Beirer, der zudem einen Plausibilitätsverlust der Kirche feststellte: „Kirche hat narzisstische Züge entwickelt. Man ist mit sich selbst beschäftigt. Die Themen begeistern nicht mehr. Nebensächlichkeiten sind in die Mitte gewandert. Kann uns Gott überhaupt noch berühren, anrühren?“, so der Referent. Die Schulen sollen ein Glaubensprofil entwickeln und kein „Kirchenprofil“.

Beirer sah weiters in den Ordenschristen eine große Inspiration für die Weiterentwicklung der Gesellschaft: „Wenn die Lebensform der Ordenschristen verschwinden würde, würde das gesellschaftlich eine Katastrophe bedeuten.“

Führungskräfte brauchen „Sinnkompetenz“

Harald Pichler vom Viktor Frankl Zentrum in Wien ging in seinen Ausführungen auf das Thema „Mit Sinn und Werten führen und gestalten“ ein. „Eine Führungskraft braucht Sinnkompetenz, weil sie motiviert und belastbar macht“, so Pichler wörtlich in Richtung der Schuldirektoren. „Mit meiner inneren Einstellung habe ich einen wichtigen Hebel. Ein klares Wozu und der innere Halt sind tragend.“ Führungskräfte könnten keine Sinnstifter sein, sondern sollten mithelfen, dass Sinn gefunden werden kann, einen positiven Rahmen für die Suche aufmachen, so Pichler. Nachsatz: „Wertschätzung hilft Sinnfindung zu ermöglichen.“

Die Direktoren und Schulerhalter beschäftigten sich bei der Tagung weiters auch mit dem Religionsunterrichtsgesetz und neuen EU-weiten Datenschutzbestimmungen. Die Tagung in Salzburg war eine Gemeinschaftsveranstaltung der Ordensgemeinschaften Österreich, des Interdiözesanen Amtes für Bildung und Erziehung und der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.
Quelle: kathpress 17.1.2018
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